„Krankheit ist die
Reaktion der Lebenskraft,
um Gesundheit wieder herzustellen“
Gespräch mit Dr. med. Gotthard Behnisch
Universitätsmedizin, Homöopathie und Synergetik-Therapie –
eine gegenseitige Akzeptanz und Kooperation der verschiedenen Disziplinen scheint
gegenwärtig noch Zukunftsmusik zu sein. Dennoch gibt es sie – nicht
nur als theoretische Reflektion über unterschiedliche Wirkungsweisen und
Anwendungsgebiete, sondern in der außergewöhnlichen Kombination der
Methoden in eigener Praxis und Erfahrung. Dr. Behnisch hat diesen Weg durch
die verschiedenen Bereiche beschritten und die jahrzehntelange Auseinandersetzung
ohne Berührungsangst vor neuen Ansätzen kennzeichnet vielleicht am
klarsten sein tiefgreifendes Ringen um „eine umfassende Methodologie des
Heilens“.
Was hat Sie als Schulmediziner damals bewogen,
sich der Homöopathie zuzuwenden?
Dr. Schilsky, der damalige „Nestor der Homöopathie“, wie das
Hamburger Abendblatt ihn nannte, wurde 75 Jahre alt und ich bin bei nächster
Gelegenheit zu ihm gegangen. Er hat mich auf das „Organon der Heilkunst“
von Samuel Hahnemann aufmerksam gemacht. Und in diesem Buch habe ich kennengelernt,
was ich im ganzen Medizinstudium vergeblich gesucht hatte: eine umfassende Methodologie
des Heilens.
Die Homöopathie hat eine grundsätzlich andere Auffassung von Krankheit
und Gesundheit als die Universitätsmedizin, oder wie ich sage, die mechanische
oder mechanistische Medizin, die ihre großen Erfolge in den letzten 50
Jahren gefeiert hat. Allerdings mit dem Ergebnis, dass immer mehr Menschen immer
schwerer krank werden und die Versuche, diesen Menschen zu helfen, immer mehr
Geld kosten. Was natürlich auch daran liegt, dass die Verwaltung riesige
Summen verschlingt, die pharmazeutische Industrie die Verdienste nicht dafür
investiert, die Medikamente billiger zu machen und das gesamte Gesundheitssystem
durch Unterdrückung der Krankheitssymptome nie zu einer umfassenden Heilung
findet. Was an der mechanistischen Medizin heute sehr gut ist, das ist die Weiterentwicklung
der Chirurgie in kleine, fein ausgefeilte Schritte und die Substitutionstherapie
im weitesten Sinne. Darüberhinaus ist die mecha-nistische Medizin aber
häufig nicht in der Lage, sowohl akute als auch chronische Krankheiten
heilen zu können.
Die Methode der Homöopathie besteht nun in folgendem Verständnis:
Was wir Krankheit nennen, stellt den Versuch der Lebenskraft dar, den aus dem
Gleichgewicht geratenen Organismus wieder herzustellen. Nur ist der Organismus
nicht immer in der Lage, von selbst, d.h. durch die eigenen Abwehrkräfte
wieder gesund zu werden oder überhaupt zu verhindern, dass er Krankheitszeichen
und –symptome zeigt. Wenn wir in einem gesunden Umfeld gesund leben, dann
haben wir eine Menge Abwehrmechanismen, ein ganzes Abwehrsystem, das in der
Lage ist, uns vor der Erkrankung zu bewahren, denn es sind nicht die Bakterien
oder Viren, die Prionen oder sonstige Kleinstlebewesen, die uns krank machen,
sondern erst weil unsere Abwehr geschwächt ist, können diese äußeren
Einflüsse uns krank machen. Zur Schwächung des Abwehrsystems tragen
natürlich viele Faktoren bei, die ich jetzt nicht aufzählen will und
wir haben auch in der Universitätsmedizin immer besser gelernt, diese Faktoren
zu unterscheiden und schätzen zu lernen.
In der Homöopathie ist es aber so, dass wir uns mit der Art und Weise,
wie der Organismus in seiner Abwehr reagiert, indem er Krankheitssymptome wie
z.B. Schmerzen oder Fieber oder auch ganz spezifische Symptome für besondere
Krankheiten ausgezeichnet entwickelt, dass wir diese Krankheitszeichen und Symptome
bewerten als die Reaktion der Lebenskraft, Gesundheit wieder herzustellen. Wir
sind also bestrebt, diese Bewegung hin zur Gesundheit, die wir allgemein Krankheit
nennen, zu unterstützen anstatt zu unterdrücken.
Um es mit einem Beispiel zu sagen: Wenn sie Sisyphos beobachten, wie er den
Stein den Hügel hinaufwälzt und nicht in der Lage ist, ihn über
die Bergkuppe hinwegzuwälzen, um Gesundheit wieder zu ermöglichen
– so sind wir bestrebt, die Kraft des Sisyphos zu unterstützen und
zu bestärken, damit er dieses Werk schafft.
Die Universitätsmedizin versucht, den Stein, wenn er wieder runtergerollt
ist, möglichst unsichtbar werden zu lassen. Das ist aber keine wirkliche
Heilung oder echte Herstellung der Gesundheit. Wie ist es nun aber möglich,
Sisyphos in seiner Arbeit spezifisch zu unterstützen? Dies erreichen wir
nicht mit Medikamenten, die in Tierversuchen entwickelt oder die in der chemischen
Retorte an Bakterien oder unter anderen Bedingungen getestet werden. Unsere
Medikamente nutzen das in der Schöpfung umfassendste Testsystem, das uns
zur Verfügung steht: nämlich den Mensch selbst.
Die Medikamente, die aus der Natur kommen - sowohl Pflanzen oder auch Mineralien,
die Elemente oder tierische Produkte und eine Reihe von Nosoden (spezifische
Krankheitsstoffe) - all diese Substanzen werden in sog. Arzneimittelversuchen
am gesunden Menschen getestet. Der Mensch nimmt diese Substanzen in kleinster
Dosis ein und beobachtet an sich, was für Krankheitszeichen diese definierte
Substanz bei ihm auslöst. Das, was er beobachtet, nennen wir die Arzneimittelprüfungssymptome,
die sorgfältig aufgezeichnet und an möglichst vielen Probanden bestätigt
oder erweitert werden. Es ist eine sehr umfassende feintoxikologische Arbeit,
die schon Hahnemann mit seinen Schülern begonnen hat. Wir kennen aus den
Prüfungen Hahnemanns selbst über 70 Arzneistoffe und die Palette hat
sich in den letzten 200 Jahren natürlich enorm erweitert, so dass der Homöopathie
heute über 1000 Arzneien zur Verfügung stehen, die schon recht gut
untersucht sind, weitere 1000, die nur mit wenigen Symptomen bekannt sind. D.h.
in der Homöopathie gibt es einen riesigen Forschungsbedarf in dieser Methodik
der Definition der Arzneikräfte, eine zutiefst wissenschaftliche Arbeit,
die die Basis der Verordnung darstellt. Dies ist auch der Grund, warum wir nicht
mit großen Nebenwirkungen zu kämpfen haben, weil die Gesamtwirkung
am Patienten sorgfältig ausgetestet ist. An den Symptomen der wirklichen
Krankheit erkennen wir dann durch Vergleich mit den erprüften Arzneitmittelsyptomen,
was der Sisyphos im spezifischen Fall braucht.
Wir wählen also das Mittel aus, das eine ganz ähnliche Kunstkrankheit
am Gesunden auszulösen vermag. Und auf diese Weise bekommt Sisyphos zusätzliche
spezifische Kraft und ist in der Lage, den Stein über den Hügel zu
wälzen, den Gipfel zu bezwingen: Gesundheit tritt ein.
Hahnemann sagt in §3 des „Organon“ sämtlicher Ausgaben:
Wenn die Er- kenntnis des Kranken, seines spezifischen Krankseins verbunden
wird mit der Kenntnis der Arznei, die in der Lage ist, eine solche Krankheit
künstlich hervorzurufen und wir diese in der richtigen Gabengröße
und Häufigkeit verab- reichen, dann muss Genesung eintreten.
Das hat Hahnemann schon zu Lebzeiten gemeinsam mit vielen homöopathischen
Ärzten seiner Zeit bewiesen. Im Jahr 1796 hat er in Hufelands Journal (Hufeland
war einer der großen Internisten in Berlin, der ein allgemeines medizinisches
Journal veröffentlichte) die Homöopathie dargestellt. Der medizinischen
Welt seiner Zeit war die Homöopathie bekannt und hatte – vor allem
bei der Behandlung akuter Krankheiten – damals riesige Erfolge. Die Cholerakranken
der Choleraepidemie 1830/31 wurden erfolgreich homöopathisch behandelt
und das hat ihren Ruf damals enorm beflügelt.
Wenn es sich um einfache körperliche Krankheiten handelte, war Hahnemann
auch bei der Behandlung von chronischen Krankheiten sehr erfolgreich. Bei komplexen
chronischen Krankheiten hatte er allerdings bis ins Jahr 1828 ein Problem. Bis
zu diesem Zeitpunkt hat er die gesamte Homöopathie nochmals revidiert und
hat in jahrelanger Forschung die Psoralehre, d.h. die Behandlung tiefgreifend
chronisch Kranker auf eine neue Basis gestellt.
In Verbindung mit der Homöopathie taucht
aber immer wieder die Frage nach der Wirksamkeit auf, da in den Mitteln keine
stofflichen Substanzen und damit auch keine Wirkung mehr nachweisbar sei.
Das ist seit 150 Jahren ein Vorurteil der etablierten Medizin. Aus diesem Grund
wurden im Jahr 1836 die sog. D-Potenzen entwickelt, das sind Verdünnungen
1 zu 10, während Hahnemann nur mit C-Potenzen 1 zu 100 oder Q-Potenzen
1 zu 50000 gearbeitet hat. Inzwischen wissen wir durch die Forschungen von Benveniste
und anderen, dass das Wasser ein Gedächtnis hat. Das Wasser als Dipol liegt
nicht nur als Molekül vor, sondern es bildet Cluster, das sind Zusammenballungen
von 400 bis 700 Molekülen. Dadurch wird das Wasser meiner Ansicht nach
überhaupt erst flüssig. Denn H2O müsste gasförmig sein,
wenn es nicht in einer in sich gebundenen Form vorliegen würde (ungebundene
H2O-Moleküle begegnen uns zum Beispiel im Wasserdampf). Die Clusterbildung
bietet die phantastische Möglichkeit, dass wir dem Wasser nun Informationen
spezifischer Art aufprägen können wie einem Magnettonband. Und wenn
sie ein Magnetband mit einer Botschaft besprechen, dann kann jeder, der das
Magnetband abhört, diese Information wahrnehmen ohne dass der Sprecher
selbst da ist. D.h. wir haben über das Magnettonband z.B. die Möglichkeit,
Information eindeutig zu übertragen. Das gleiche ist mit flüssigem
Wasser möglich.
Also das Wasser ist in der Lage, oder besser mit Wasser war Hahnemann in der
Lage, die Arzneien zu potenzieren wie er das nennt. D.h. dass durch Verreiben
mit Milchzucker oder durch Verschütteln mit Wasser ist Hahnemann in der
Lage gewesen, über eindeutig definierte Schritte der Verdünnung und
Verschüttelung – immer in dieser Kombination – Verdünnungsverschüttelungen
herzustellen, die weit über die Lohschmittsche Zahl hinausging. Lohschmitt
hatte herausgefunden, dass ein Mol bei jedem Stoff eine bestimmte Anzahl von
Molekülen hat. Wenn wir nun Verdünnungsschritte machen, die über
diese Anzahl von Molekülen hinausgeht - diese Grenze ist bei C 12 oder
D 24 erreicht - dann sind wir einem Bereich, wo theoretisch kein Molekül
mehr in der Lösung, der Verschüttelung vorhanden sein kann. Das war
der Grund, warum viele Mechanisten meinten, dann könne auch keine Wirkung
mehr vorhanden sein. Dass kein Molekül mehr drin ist, das kann man heute
nachweisen. Wenn sie hohe Potenzen von C 30, C 200 und darüber hinaus herstellen,
sind das so enorme Potenzierungsschritte, dass kein einziges Molekül mehr
erwartet werden kann.
Aufgrund der Anordnung der Moleküle im Cluster (dem sog. Wassergedächtnis)
können durch das Potenzieren oder Dynamisieren oder Verschütteln spezifische
Informationen aufgeprägt werden. Hahnemann meint, dass sich hier die spezifische
Kraft der Arznei entfaltet, deshalb hat er diesen Vorgang Dynamisieren oder
Potenzieren genannt. Eine solche Potenz beinhaltet nicht mehr die einzelnen
Moleküle der Substanz, sondern wir behandeln mit reiner Information. Wenn
wir dieses Wasser über 50 Grad erhitzen oder über ein Magnetfeld schicken,
dann wird diese Information gelöscht. D.h. wir müssen mit den potenzierten
Substanzen sorgfältig umgehen. Wenn wir das aber gewährleisten, dann
können wir über viele Jahrzehnte hinweg diese Potenz effektiv beim
Patienten einsetzen. Vorausgesetzt natürlich , dass dieses Mittel auch
homöopathisch ist, sonst hat es gar keine Wirkung.
Es ist wichtig, dass die Leser verstehen, dass wir homöopathische Mittel
nicht in der Apotheke kaufen können. Sondern wir können nur potenzierte
Arzneien kaufen, die natürlich eindeutig definiert sein müssen durch
ihren Herstellungsprozeß.
Homöopathisch wird die potenzierte Arznei aber nur durch die Verordnung.
Wenn die Verordnung homöopathisch ist, d.h. der Methodik genügt, dann
wird es zum homöopathischen Mittel für den Patienten. Wenn das nicht
der Fall ist, dann sagt Hahnemann haben wir eine Misswahl getroffen. Das ist
also nicht die Wahl des schönsten Mädchens, sondern das ist die Wahl
des falschen Mittels. D.h. die potenzierte Arznei ist nicht homöopathisch
und kann dann natürlich auch nicht homöopathisch, nämlich heilend,
wirksam sein.
Welche Rolle spielt das Unbewusste des Patienten
in der homöopathischen Behandlung und wie gestalten Sie die Verbindung
zur Synergetik-Therapie?
Das Prinzip der Homöopathie „Ähnliches durch Ähnliches
heilen“ ist ein Grundgesetz der Natur und gilt für jedes homöopathische
Handeln. Aber in welcher Weise zum Beispiel die spezifische chronische Belastung
des Kranken von seiner Familienanamnese, d.h von Ereignissen, die zum Teil schon
weit zurückliegen und das gesamte Abwehrsystem und die Reaktionsmöglichkeiten
des Organismus beeinflussen, blockieren und modifizieren, hat Hahnemann in seiner
Myasmenlehre niedergelegt.
Ich bin sehr dankbar, dass es heute wieder mehr homöopathische Ärzte
gibt, die auch den alten, den reifen und weisen Hahnemann studieren und dadurch
wieder zurückfinden zu den Erfolgen, die Hahnemann und seine Schüler
zu Lebzeiten gehabt haben.
Heute gibt es sehr viele Menschen, die nicht nur körperlich krank, sondern
deren Krankheiten psychisch betont oder durch psychische Erlebnisse ausgelöst
worden sind. Ja, es gibt sogar Patienten, wo die Schockerlebnisse schon bei
den Eltern oder Großeltern geschehen sind und eine spezifische Belastung
des Patienten begründen. Gerade die mechanistische Medizin tappt diesen
kranken Menschen gegen- über weitgehend im Dunklen, da sie nur beschwichtigen
oder Schmerzen mildern, die eigentliche Krankheit aber überhaupt nicht
behandeln kann.
Wir haben natürlich seit Freud und C.G. Jung eine enorme Entwicklung der
Psychotherapie zu verzeichnen und heute ist die Psychotherapie in ihren verschiedenen
Schulen durchaus anerkannt als eine Hilfe für die Universitätsmedizin.
Wir kennen die psychosomatische Medizin, die ganz klare Grundsätze, wie
der Zusammenhang zwischen somatischer, also leiblicher Krankheit und psychischer
Krankheit geschieht und die Gesetzmäßigkeit, wie sie entstehen und
wie sie zu behandeln sind, gefunden hat. Das ist eine sehr großartige
und wichtige Entwicklung in der modernen Medizin, in der modernen Psychologie
und Psychotherapie.
Wenn wir in der Homöopathie bei chronisch Kranken das genau passende Mittel
finden, dann können wir eine sehr tiefgreifende und umfassende, die Gesamtheit
des Organismus betreffende Wirkung erzielen. Es gibt aber Fälle, die sehr
kompliziert liegen, bei denen eine Blockade des gesamten Abwehrsystems vorliegt,
z.B. durch Schockerlebnisse in der frühen Kindheit oder auch im späteren
Leben. Das können körperliche Schocks aber auch seelische Erschütterungen
sein, die das System weitgehend blockieren und wir kennen diese Ereignisse nicht,
denn sie sind ins Unterbewusste des Patienten abgesunken und nicht so ohne weiteres
ans Tageslicht zu befördern – auch nicht in einer sorgfältigen
Anamnese. Wir ha- ben auch Patienten, die verstrickt sind in schwere psychologische
Probleme, die wiederum auch ein, zwei Generationen zurückliegen können
und hier ist besonders die Myasmenlehre Hahnemanns wichtig, damit wir verstehen
können, wo die Ursachen solcher Verstrickungen liegen.
Die Rekonstruktion kann sich als sehr kompliziert herausstellen und da gibt
es nun heute eine sehr umfassend wirksame Methodik, die uns hilft, durch sorgfältige
Analyse solcher Patienten - die sie (mit entsprechender fachlicher Hilfe, fachlichem
Beistand) bei sich selbst durchführen können - sogar die Wurzeln aufzudecken,
die ursächlichen Faktoren ihres Krankseins zu verändern, zu entschärfen,
ja zu kippen wie Prof. Haken sagen würde. Diese Methode heißt Synergetik-Therapie.
Ich würde nicht sagen, dass wir ausschließlich nur diese Methode
brauchen, wir können z.B. auch mit der Familienaufstellung manche Zusammenhänge
erklären.
Aber die Synergetik-Therapie ist ein sehr umfassendes Verfahren und hat den
besonderen Vorteil, dass es die Kräfte, die ich vorher bei Sisyphos erläutert
habe, nämlich die Versuche des Organismus, selbst wieder ins Gleichgewicht,
in diesen Prozeß der Gesundheit hineinzuschwingen, diese Selbstheilungskräfte
besonders an- spricht. D.h. der Patient wird angeregt, diese Kräfte zunächst
in sich wahrzunehmen und in sich selbst die verschiedenen Bilder zu sehen und
zu erkennen. Das ist interessanter als der beste Fernsehfilm, nämlich das
Sehen ins eigene Innere, in die reiche Bilderwelt des in uns Schlummernden.
Auf diese Weise lernt der Einzelne sich selbst kennen und stellt Zusammenhänge
fest, die ihm bis dahin ganz verborgen geblieben waren.
Eine solche Hilfe durch die Teilnahme an diesem Prozess, durch die Aufzeichnung
einer solchen Innenweltreise gibt uns auch noch die Möglichkeit herauszufinden,
welche Arznei in solch einem Falle notwendig gewesen wäre, um z.B. die
Großmutter zu behandeln. Diese Arznei – wenn die Auswirkungen der
Probleme der Großmutter bis zum Enkel hin z.B. prägend in seinem
Empfinden und Verhalten gewesen sind – das gleiche Mittel, was der Großmutter
damals geholfen hätte jetzt angezeigt ist, um ihn aus dieser Verstrickung
zu befreien. Es ist also eine wunderbare Möglichkeit der Zusammenarbeit,
die gerade erst begonnen hat. Es gibt schon einige homöopathische Ärztinnen
und Ärzte, die z.B. Bert Hellingers Familienstellung gelernt haben und
beherrschen, es gibt aber nur ganz wenige homöopathische Ärztinnen
und vielleicht Heilpraktiker und Ärzte, die sich mit der Synergetik-Therapie
im einzelnen beschäftigt haben.
Warum wird die Synergetik-Therapie von anderen
Disziplinen bislang noch so wenig beachtet?
Das liegt natürlich auf der einen Seite daran, dass diese Methodik noch
sehr jung ist und sich gerade erst innerhalb der psychotherapeutischen Szene
positioniert. Dabei ist immer wieder zu betonen, dass es ein Unterschied ist,
ob ich ein ausgebildeter Psychotherapeut bin oder sozusagen ein Geburtshelfer
zum selbständigen Erfassen und Begreifen des eigenen Unbewussten. D.h.
auch das Berufsbild eines Synergetik-Therapeuten beginnt gerade erst Konturen
anzunehmen und es gibt natürlich Auseinandersetzungen mit einer Verwaltung,
die gar nicht darauf vorbereitet ist, schon wieder etwas ganz Neues beurteilen
zu müssen, ohne es zu kennen. Wir stehen also hier am Beginn einer ganz
umfassenden neuen Hilfe zur Selbsthilfe und damit einer Möglichkeit, auch
der homöopathischen Behandlung neue Impulse zu geben.
Die homöopathische Therapie ist eine schwierige Therapie, weil sie die
Kenntnis vieler Prüfungen von Arzneimit-
teln voraussetzt, um die entsprechende Arznei anhand der Symptomatik aufzufinden
in den umfangreichen Nachschlagwerken (Hahnemann hat z.B. die reine Arzneimittellehre
mit 6 Bänden und die chronischen Krankheiten mit 4 Arzneibänden herausgegeben
und das war ja nur der Anfang, inzwischen ist viel dazugekommen) zu ermitteln.
Die Methodik der Homöopathie ist einfach, die kann sogar jeder Laie verstehen
und Hahnemann bestand darauf, dass diejenigen, die zu ihm zur Behandlung kamen,
das Organon vorher gelesen hatten.
Doch wenn die Ausführung auch so einfach wäre, würde heute jeder
therapeutische Arzt, also ein Arzt, der in der Behandlung von Kranken tätig
ist, sich dieser Methodik bedienen – weil sie so erfolgreich ist. Die
eigentliche Schwierigkeit besteht aber eben in der klaren Differentialdiagnose
der verschiedenen infrage kommenden Arzneien und
dieser Prozess erfordert Zeit, was besonders heute die allgemein praktizierenden
Ärzte nicht haben. Das ist eines der Hauptprobleme, denn die Ärzte
haben zum einen nicht Zeit, sich das anzueignen, das umfassende Wissen und dann
haben sie nicht die Zeit, den Patienten entsprechend erkennen und kennen zu
lernen, um das Arzneimittel mit Sicherheit verordnen zu können.
Also wenn wir diese Schwierigkeit nicht hätten, dann wäre es möglich,
auch jedem Patienten sein umfassendes homöopathisches Mittel bei chronischen
Krankheiten zu verordnen und dann würde natürlich auch sein Unbewusstes
mitbehandelt werden und Gesundheit ist dann notwendig die Folge. So haben wir
bei dem ein oder anderen Patienten immer wieder erlebt, dass er zu uns kommt
und sagt: „Ich bin wie neugeboren. Ich habe ein neues Leben begonnen“.
Und wenn uns das gelingt, dann haben wir natürlich keine Zusatztherapie
notwendig und da uns das aber eben nicht häufig gelingt, ist gerade bei
der Behandlung schwerer chronischer Krankheiten die Verbindung mit der Synergetik-Therapie
eine sehr interessante Möglichkeit. Nach meinem Dafürhalten ist bei
schweren chronischen Krankheiten doch häufiger auch eine längere Behandlung
mit vielen Sitzungen notwendig. Es ist aber erfreulich, dass wir beobachten
können, dass von einer Sitzung zur anderen ein echter Fortschritt in dem
„Zu-Sich-Selbst-Finden“ möglich und zu beobachten ist und dass
der Patient dadurch ein ganz anderes Verhältnis zu sich selbst, zu seinem
Organismus bekommt und auf diese Weise aktiv an der Heilung seines Krankseins
teilnehmen kann. Was uns dann wieder die homöopatische Mittelbehandlung
erleichtert.
Bei akuten Krankheiten ist das nach meinem Dafürhalten nicht unbedingt
notwendig, da reicht die homöopathische Therapie, die dann eine um-
fassende Gesundung ermöglicht. In schwierigen Fällen ist das eben
eine zusätzliche Möglichkeit, die Besonderheit, die Eigenart des Patienten
zu verstehen, verstehen zu lernen. Und das ist ja Voraussetzung für die
homöopathische Mittelwahl.
Wenn uns also bei verschlossenen Patienten, die schon vielleicht über ein,
zwei Generationen krank sind, eine Krankheit begegnet, die dem Patienten selbst
nur in wenigen Symptomen deutlich wird, aber eine Fülle an Symptomatik
im Unbewussten abgespeichert ist, dann ist es eine wunderbare Möglichkeit,
wenn das in seinen eigenen Bildern von ihm zum Ausdruck gebracht werden kann.
Wir können an der Art und Weise wie er das benennt oder an den Bildern
selbst erkennen, was Hahnemann die Gemütsverfassung des Patienten nennt.
Das ist ein ganz wesentlicher Teil der Krankheitserkenntnis und damit der Möglichkeit,
die homöopathische Arznei zu erkennen und festzulegen.
Einer der zahlreichen Faktoren, auf die sich
die Synergetik-Therapie bezieht, ist die Neue Medizin von Dr. med. Hamer. Wie
beurteilen Sie diesen Ansatz?
Die Neue Medizin ist für mich nichts anderes als eine besondere Spielart
der mechanistischen Medizin. Sie hat interessante Theorien der Erklärung,
der Diagnostik. Inwieweit diese Theorien tatsächlich auch an der Erfahrung
validiert sind, muß erforscht werden - eine Forschung, die vielleicht
in Deutschland nicht so extensiv genutzt wird, wie das möglich wäre.
Aber für die eigentliche Therapie, für die Behandlung des Kranken
bringt uns das nicht sehr weit. Es mag uns wichtige Hinweise geben, dass wir
besser verstehen, was es zu bedeuten hat, wenn der Brustkrebs links und nicht
rechts beginnt. D.h. also von der Lokalisation her kann sie uns einige Aufschlüsse
bringen. Aber für die eigentliche Behandlung des Patienten bringt meines
Erachtens die Neue Medizin nicht so eine umfassende Änderung als sie von
der Universitätsmedizin gelehrt oder praktiziert wird.
Was sind ihr Wünsche angesichts der Gesamtsituation
von Krankheit und Gesundheit und der gegenwärtigen Krise des medizinischen
Systems für die Zukunft?
Einer der Wünsche, die ich habe, ist, dass die mechanistische Medizin sich
in den Abteilungen, die ich eingangs schon genannt habe, weiterentwickelt. D.h.
in den Bereichen, in denen sie meiner Ansicht nach unverzichtbar ist –
so auch in der Intensivmedizin (obwohl hier eine gemeinsame Behandlung mit der
Homöopathie durchaus erfolgreich wäre). Prof. Edgar Kaucher, ein Physiker
und Mathematiker, hat schon vor 10 Jahren umfassend darauf hingewiesen, dass
60% der Kranken heutzutage mit der mechanistischen Medizin nicht angemessen
behandelt werden. D.h. wir müssen die Informationsmedizin weiter entwickeln,
wir müssen vor allem auch über die Universitäten die Homöopathie
lehren und verbreiten. Wir müssen die Ärzte anweisen und ihnen Möglichkeiten
aufzeigen, die moderne Homöopathie zu lernen. Es ist also eine umfassende
Aufklärung vonnöten. Hier schließe ich mich Herrn Prof. Kaucher
voll an, indem ich sage, es muß ein Umdenken in der Medizin stattfinden!
Und das Zweite ist, wir müssen in unseren Ausbildungsanstalten endlich
die Homöopathie als echte Alternative zur gängigen Universitätsmedizin
einführen, wie das heute meines Wissens nur in Bombay, Indien der Fall
ist.
Es ist nicht einfach, sich den Wissensschatz der homöopathischen Pharmazie
anzueignen. Aber wir müssen bei den jungen Ärzten eine Sensibilität
und eine Motivation dafür schaffen, dass sie sich dieses Wissen aneignen
- was natürlich von der pharmazeutischen Industrie gar nicht gern gesehen
wird. Letztere ist leider - obwohl sie heute in Indien auch therapeutische Forschung
in großem Stile betreibt, der Homöopathie gegenüber absolut
nicht aufgeschlossen, weil sie den gegensätzlichen Ansatz, den ich geschildert
habe, nicht nur nicht versteht, sondern aggressiv negiert.
Deshalb haben wir ja so viel Antimittel in unserer allopathischen Pharmakopoe,
d.h. Mittel, die gegen etwas verordnet werden: Mittel gegen den Blutdruck, Mittel
gegen den Schmerz oder auch Mittel wie die Antibiotika gegen bestimmte Kleinstlebewesen.
Das ist ein Ansatz, der an der Gesundwerdung eines Patienten oft weit vorbei
zielt. Und wenn ein Arzt erst mal erlebt, dass er eine Mandelentzündung
oder eine Pneumonie oder welche Entzündung auch immer ohne ein Antibiotika
behandeln kann, dann ist er natürlich völlig verblüfft. Dieses
Wissen ist in den letzten 50 Jahren völlig abhanden gekommen durch die
Ersterfolge der Sulfonamide und Antibiotika.
Das August-Weihe-Institut für homöopathische Medizin in Detmold ist
seit 1982 vor allem als Lehrinstitut tätig gewesen, obwohl unsere Satzung
die Forschung besonders berücksichtigt. Nur habe ich bald gemerkt –
für die Forschung braucht man Geld. Und junge Mediziner sind, solange sie
ihre Doktorarbeit schreiben, nicht in der Lage, ohne eine finanzielle Unterstützung
auszukommen. Auch die Arzneiversuche brauchen Fachleute, die diese begleitend
auswerten. Und deshalb geht leider nichts in der homöopathisch-medizinischen
Forschung ohne Geld. Ich hoffe sehr, dass ich in wenigen Monaten das nötige
Geld für die von mir gegründete „Stiftung für homöopathisch-medizinische
Forschungsarbeit“ bekomme und wir dann auch in der Lage sein werden, solche
Projekte aktiv zu fördern.
Ich habe darüber hinaus noch das andere Projekt eines homöopathischen
Krankenhauses mit Ambulatorium und Intensivstation und wir hoffen, dass wir
im Jahre 2005 dann auch so weit sind, an diesem Institut arbeiten zu können.
Dafür suche ich natürlich entsprechend ausgebildete Ärztinnen
und Ärzte und auch Pflegepersonal, das geübt ist, die Liebe zu den
Patienten, die spezielle Zuneigung zu jedem einzelnen Kranken leben zu können.
Und ich werde noch viel Arbeit darauf verwenden müssen, um solche Menschen
zu finden.
Anmerkung:
Das Homöopatisch- Medizinische Zentrum wird zur Zeit in Lage/ Hörste
gegründet.
Dr.
med. Gotthard Behnisch studierte von 1957 bis 1964 in Marburg, München und
Hamburg Humanmedizin. Nach dem Staatsexamen und der Medizinalassistentenzeit setzte
er sein Studium am Tropeninstitut in Hamburg fort. Dort machte er auch die Bekanntschaft
von Kolleg/innen aus Indien, die ihn an das Konzept der Homöopathie Hahnemanns
erinnerten. Heute ist Dr. Behnisch Leiter des über zwanzigjährigen August-Weihe-Instituts,
in dem Ärztinnen und Ärzte eine dreijährige Ausbildung zur praktischen
Homöopathie absolvieren können. In seiner eigenen Praxis arbeitet er
seit geraumer Zeit mit Bettina Kimpfbeck (Synergetik-Profilerin und Ausbilderin
am Synergetik-Therapie-Institut) zusammen und hat vor kurzer Zeit selbst seine
Ausbildung zum Synergetik-Therapeuten abgeschlossen.